Der Schutzengel

Heute hat Ben (Pufes Hund, der das Wochenende bei uns verbringt) meinen Schutzengel kaputt gemacht. Ich habe Mami letztes Jahr einen ähnlichen Schutzengel geschenkt. Anfang diesen Jahres wurde er von einem Ball getroffen und verlohr den Kopf. Einen Tag später erhielt Mami die entgültige Diagnose. Ich bemühte mich lange, einen neuen Engel zu besorgen, schaffte es aber erst 1 Woche vor ihrem Tod. Er war bei ihr, als sie starb und als sie aufgebahrt war. Dann hat Peter ihn mir mitgegeben, damit er auf mich aufpasst, da ein bisschen von Mami in ihm war. Jetzt ist er kaputt. Verzweiflung baut sich in mir auf.
Aber vielleicht ist es auch gut. Vielleicht ist das auch ein Teil der Trennung von Mami.

Was man in der Chemo den ganzen Tag so zu tun hat

Eigentlich habe ich ja Zeit … denkt man sich so. Teile der normalen Aufgaben – Kids und Haushalt – werden unterstützt durch eine Haushaltshilfe (2 x die Woche 3 Std.) und eine wunderbare Julia (2 x die Woche ca. 3 Std. für die Kiddies). Dies wird von der Krankenkasse auch unterstützt.
Aber: alle anderen Aufgaben fallen 10 mal so schwer, wie sonst. Ich kann nur noch eine Sache gleichzeitig machen (vorher 4 Sachen gleichzeitig), mein Gehirn ist auf Affenniveau, permanent tauchen kleine Probleme auf, die aus den Nebenwirkungen resultieren: Da stehe ich unter der Dusche und merke, dass ich mein normales Duschzeug nicht vertrage, die Zahnpasta geht gar nicht mehr, die Haare fallen aus, der Kopf tut weh, die Narben ziehen, die Lymphen drücken, der Geschmackssinn verändert sich fast stündlich, Hungergefühl ist da – aber kein Appetit, ich bin müde – kann aber nicht schlafen, Konzentration liegt mir fern und dauernd Arztbesuche … da geht der Tag schnell rum und man hat nicht geschafft ausser dass man einen weiteren Chemotag abhaken kann. Dazu ärgere ich mich über meine Kraftlosigkeit (Einkaufstüten können echt schwer sein) und Sorgen und Nöte sind ja auch noch da.
Also: alles in allem ist es doch ein echter Kraftakt – aber eines tut echt gut:
ICH HABE KEINE ANGST!