Fatigue

Ach, immer diese Syndrome… Aber dieser Name ist wirklich gut gewählt: Müdigkeit! Ich weiß nicht, wie es anderen Krebspatienten ging – bei mir kam die große Leere nach der Chemo. Nach den Behandlungen. Während der Therapie geht man jede Woche zu irgendwelchen Untersuchungen, Infusionen, Checks – dann kommt die letzte Untersuchung – der höchste Giftstand ist erreicht und du fragst – wie gewohnt – nach dem nächsten Termin. Die Antwort: Rufen Sie mal in ein paar Wochen an. Was? Wer kümmert sich jetzt? Was ist jetzt? Was passiert mit mir? Die Antwort: Abwarten!

Aha. Körperlich geht es einem extrem dreckig – wie gesagt: höchster Chemogiftstand – und für die Ärzte ist man nun nicht mehr interessant, da sie ja jetzt erst mal nichts mehr machen können – ist ja klar. Erste Depressionen kommen durch die entstehende Leere in fataler Kombination mit dem schwachen Körper. Eigentlich müsste es einem doch besser gehen, denkt man – und noch mehr denkt es das Umfeld, denn du siehst ja nicht mehr so krank aus: die Haare wachsen ja wieder… Da man in der Zeit nicht so viel Kraft hat, sich dem entgegen zu stellen, breitet sich die Depression schnell aus. Man zieht sich noch mehr zurück – auch das hilft nicht. Diese Verkettung der Ereignisse nennt man Fatigue. Ich habe erst nach meiner Reha – 6 Monate nach der Chemo – wieder richtig ins Leben finden können. Hätte ich mich vorher irgendwie mit Sport oder anderen Aktivitäten da rausretten können? Ich weiß es nicht. Mein Tipp: es wird nun mal eine blöde Zeit – versuch sie dir so angenehm und entspannt, wie möglich zu machen. Versuch Sport zu machen – wenn es nicht geht, dann eben nicht. Erklär es deinem Umfeld. Guck dir Filme und Serien an, die du bisher nicht sehen konntest, weil du keine Zeit hattest – egal! Versuch die Spannung, den Druck und das Drama aus deinem Leben zu verbannen. Vielleicht geht es dann besser. Ich drücke alle Daumen!

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6 Gedanken zu „Fatigue

    • die Idee des Fotoprojekts ist gut, doch sehen diese Menschen eher aus, als diejenigen, die die Augen vor dieser Krankheit verschließen als diejenige Menschen, deren Müdigkeit so bleiernd ist, dass ihnen die Augen von selbst zu fallen….. – hatte mir von dem Thema her aussagekräftigerere Fotos vorgestellt

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  1. Aus dem Kontakt mit Betroffenen glaube ich, dass Fatigue ein ziemlich weites Feld ist, und sehr verschiedene Ausprägungen haben kann. Sie wird ja auch durch ganz unterschiedliche Dinge ausgelöst. Chemotherapien sind ein Faktor, Krankheitsaufarbeitung ein anderer. Aber auch bei Patienten, die weniger aggressive Therapien machen mussten, kommt Fatigue vor, teilweise sogar überproportional häufig. Ebenso unterschiedlich dürften die Wege sein, um aus dem Tal herauszukommen.

    An das Thema kann man sicher auf ganz verschiedene Weise herangehen. Unsichtbar beleuchtet m.E. *einen* Aspekt, nämlich, dass viele Betroffene mehr oder weniger zeitweise aus dem aktiven Leben zu verschwinden scheinen, das Gefühl haben unsichtbar zu werden, vielleicht gleichzeitig auch selbst nicht wahrnehmen zu können. Und ja, das mag *auch* mal mit Augen verschließen zu tun haben, was, wie ich, selbst etwas erstaunt, bei einem Vortrag einer Psychoonkologin hörte, durchaus *vorübergehend* eine Bewältigungsstrategie sein kann.

    Mehr Aufmerksamkeit hat das Phänomen Fatigue m.E. auf jeden Fall verdient, da es vermutlich mehr Betroffene gibt, als viele, auch Ärzte, ahnen.

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