Cannabis – Eigenanbau für chronisch Kranke jetzt endlich legal!

Leicht versteckt habe ich es in meinem Fototagebuch schon angedeutet: Cannabis hat mir in der Chemotherapie sehr geholfen. Wegen eines chronischen Nierenleidens und einer Epilepsie durfte ich nicht alle Mittelchen zur Bewältigung der Nebenwirkungen der Chemo nehmen. Und Chemie mit Chemie zu bekämpfen hört sich für mich auch nicht so logisch an.

Neben kleinen auf mich abgestimmte Helferchen aus der chinesischen Medizin habe ich viel gekifft. Ich teilte diese Leidenschaft sogar mit vielen Frauen, wie ich schon bei der zweiten Infusion der Chemo feststellte. Bis zu 20 Frauen in einem 30 qm Raum, die 5 Stunden an der Infusion hingen und alle die gleichen physischen und psychischen Probleme hatten: da kamen wir schnell zu Sache und Quellen wurden ausgetauscht. Nun ist es legal: Nach ärztlicher Erlaubnis dürfen wir Cannabis zuhause anbauen.

Hinter vorgehaltener Hand haben die Ärzte mich schon oft darauf aufmerksam gemacht – nicht nur gegen Schmerzen, auch zur Entspannung und Entkrampfung bei meiner Epilepsie hilft es. Ich habe auch selbst einen Fall mitbekommen, wo Haschkekse einer älteren Dame, die unter dem Restless-Legs-Sydrom leidet, halfen endlich mal wieder schlafen zu können! Vorher haben wir sie allerdings gut aufgeklärt und mit ihr den wunderbaren Film „Saving Grace“ (Grasgeflüster) – sozusagen als Aufklärung – gesehen.

Ich freue mich sehr, jetzt legal zu sein!

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Haare und Chemo

Vielen vielen Frauen sind ihre Haare extrem wichtig! Wenn sie ausfallen, ist es daher besonders schlimm; ein weiterer Angriff auf die Weiblichkeit! Aber vielleicht ist etwas von viel schlimmer: Von einem Tag auf den anderen ist der Krebs für jeden sichtbar  – auch für einen selbst, was vielleicht das Schlimmste ist. Es ist immer ein Unterschied etwas zu wissen, oder etwas zu sehen!

Angst vor dem Haarausfall hatte ich nicht, da ich schon mal raspelkurze Haare hatte und Mami oft mit Glatze gesehen habe. Wir sehen uns ähnlich und haben die gleiche Kopfform.

Als es dann los ging, war es doch anders, als gedacht: es tat weh! Solange die toten Haare noch im Kopf steckten, entstehen extreme Spannungskopfschmerzen. Erst als mir eine Freundin die Haare schor, ließen diese nach. Dann stand ich im Bad vor dem Spiegel: Ohne Haare und ohne Brüste. Nackter kann ein Mensch kaum sein. Dies war der Moment, in dem ich aus dem seit der Diagnose bestehenden Schockzustand aufgewacht bin. Dieser Zustand hatte mich bis dahin von allem abgeschottet: von der Diagnose, von Mamis Tod, vom Verlust meiner Brüste, von der Konfrontation mit dem Tod. Nun war nichts mehr zu leugnen. Alles an mir sah nach Krankheit aus. Es war aber auch ein Moment der Akzeptanz. Da ich immer erst Veränderung zulassen kann, wenn ich ein Scheitern, ein Ende oder sonst etwas akzeptiert habe, war ich in diesem Moment für meinen Neuanfang bereit. Natürlich kamen auch Trauer und Wut hoch, die in diesem Moment endlich greifbar wurden.

Jetzt – 5 Jahre später – ist die Wut gegangen und die Trauer milde geworden. Momente der Trauer bestehen heute eher aus dem Genuss der Erinnerungen – nicht mehr aus dem Bejammern oder Wiederherbeisehnen.

Ich hatte das große Glück, dass mir die Glatze stand. Die Leute auf der Straße waren größtenteils freundlich, im hippen Berlin ging ich teilweise als fashion-victim durch! Spielplätze waren damals der einzige Ort, an dem ich nicht so gerne war: Hier gab es doch regelmäßig vorwurfsvolle Blicke von Müttern, die ihre Angst vor der Konfrontation mit Krebs hinter ihren Kindern versteckten.

Dann entdeckte ich das Foto einer älteren Dame mit einem Hennatattoo auf der Glatze! Das wollte ich auch! Henna wird heilende Kraft nachgesagt und schick ist es auch! Ich fragte meinen Arzt, ob er wegen der Hennainhaltsstoffe Bedenken hätte, doch er wies mich lediglich darauf hin, es nur mit purem Henna ohne Zusatzstoffe machen zu lassen. Nach langer Suche – vergesst die Tattoostudios, die machen das nicht – fand ich eine Hennakünstlerin, die schon immer mal einen Kopf bemalen wollte! Nach 3 Stunden still Sitzen war die Hennapaste aufgetragen. In den nächsten 2 Tagen bröckelte sie ab und hinterließ ihr wunderschönes Muster. Es hielt ca. 3 Wochen. 2 Monate später habe ich es noch mal machen lassen. Es ist ja auch angenehmer, einen „wow-ist-das-cool“-Blick, als Mitleid auf der Straße zu bekommen.

Bei den ersten 3 Infusionen (roter Mix) fielen mir lediglich die Kopfhaare aus. Eine Woche nach der jeweiligen Infusion fingen sie immer schon wieder an, zu wachsen. Taxol war das Mittel der letzten 3 Infusionen. Dabei fielen mir alle Haare aus – ALLE! Den letzten Wimpern haben die Kids Namen gegeben und als sie ausfielen, durften sie sich was wünschen. Das mit den fehlenden Wimpern und Augenbrauen sieht natürlich nicht gesund und gut aus – das lässt sich aber mit ein wenig Übung nachmalen. Aber es ist doch toll, endlich mal alle Achsel-, Bein- und Schamhaare los zu sein! Copacabana for free!

Nach der letzten Infusion kamen die Haare sehr schnell wieder – ein wunderbarer Moment für die Kids zu erkennen, dass ich aus dem Weg der Besserung bin.

Die Haare kamen richtig schick wieder! Allerdings stand mein Aussehen dann in einem Widerspruch zu meinem körperlichen Wohlbefinden. Ein halbes Jahr habe ich mit der Fatigue gekämpft. In der Zeit gab es dadurch viele Mißverständisse mit meinem Umfeld. Die Menschen um mich herum wollen so sehr, dass es einem besser geht. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Heute weiß ich vielleicht, was ich hätte sagen können: Auch wenn ich wieder Haare habe, geht es mir noch nicht wieder gut. Und wenn ihr was Gutes für mich tun wollt – dann gebt mir einfach noch Zeit!

Eierstockentfernung nach Brustkrebs

Als ich vor der Entscheidung stand, ob ich eine Hormonersatztherapie über mind. 5 Jahre machen oder mir die Eierstöcke entfernen lassen, (dadurch wird die Hormonproduktion fast eingestellt und der Krebs wächst nicht mehr so leicht) habe ich nicht lange nachdenken müssen: Unsere 2 Kinder sind super, noch ein Kind wäre ein großes Risiko und die Wechseljahre schnell hinter sich zu bringen, empfand ich eher als Vorteil. In meinen Recherchen über die Hormonersatzmittel fand ich eher heftige Beschwerden über nicht endende Wechseljahrbeschwerden. Dabei hatte ich noch nicht mal die Wechselwirkungen zu meinen Antiepileptika gecheckt, die meisst sowieso noch nicht mal erprobt sind. Die Angst vor Libidoverlust stand auf jeder Seite der Entscheidung. Das hört man von allen Seiten.

Also ließ ich mir im Januar 2010 – 9 Monate nach meiner Diagnose – die Eierstöcke entfernen. Ein sehr leichter Eingriff: Ein kleiner Schnitt an meiner alten Blasen-OP-Narbe, ein Löchlein auf der anderen Seite und ein Löchlein durch den Bauchnabel. Adieu, vielen Dank, ihr beiden Eierstöcke – ihr wart toll! Am nächsten Tag wurde ich entlassen, nicht ohne mir mit auf den Weg zu geben, dass ich nicht vergessen soll, mir selbst die Fäden zu ziehen – ich sei ja inzwischen gut in der Übung darin (eine Bemerkung, die ich erst Stunden später wirklich verstand…).

Die Wechseljahre setzten dann prompt ein. Erst mal: Yeah! Keine Menstruation mehr! Und dann: Yeah! Keine Empfängsnisverhütung mehr! Aber dann: Schweißausbrüche zu jeder Tages- und Nachtzeit – hier empfehle ich Vichy-Wasser-Spray und Kleidung, die man schnell an- und ausziehen kann. Im Sommer hilft nachts auch ein feuchtes Handtuch mit ins Bett nehmen.

Dann: den Alterserscheinungen konnte ich beim Ausbreiten zusehen. Ich gehörte zu den glücklichen Frauen, die bis dahin keine Orangenhaut hatte – bis dahin heißt: bis zur Eierstockentnahme – aber irgendwann musste sie ja kommen… Zusätzlich trocknete meine Haut nun 10 x schneller aus, ich zickte ziemlich rum, mein Kurzzeitgedächnis litt und sämtliche Schleimhäute trockneten aus. Wegen der Haut habe ich mir mein tägliches Duschen abgewöhnt – das trocknet nur weiter aus. Nun dusche ich nur noch alle 2 bis 3 Tage, Katzenwäsche übernimmt das Nötigste. Die Schleimhautproblematik und der Libidoverlust sind für mich die schwierigsten Probleme. Beim Sex helfen Gleitmittel – falls ich mal wollte (in der Zeit eher kaum – und wir reden hier von 3 Jahren!!!) – und hier muß ich wieder einmal Hendrick danken, dass ich die Freiheit hatte, nicht zu wollen! Sonst gibt es nur abwarten und Tees aus der chinesischen Medizin trinken – diese aber von einem TCM auf einen abstimmen lassen!

3 Jahre nach der OP hat sich alles wieder entspannt. Ich bin im Sauseschritt durch die Wechseljahre gerannt. Das ist toll, denn ich spüre eine Entspannung in mir, die ich nie gehabt habe. Was noch zu bewältigen bleibt, ist der gemeinsame Aufbau einer neuen Sexualität nach einer langen Pause. Es ist spannend, das zu erleben! Wie gesagt: Danke, Göttergatte! Hier noch mal der link zu seinem wunderbaren stern.de Artikel: Hendrick Melle: Lieber warm und flach als kalt und tot und der link zu meinem blog-Beitrag Sexualität und Brustkrebs.

Kinder und Krebs

Meine Töchter waren 8 und 5 Jahre alt, als ich meine Diagnose erhielt. Sie waren durch die vielen Krebserkrankungen meiner Mutter zwar schon ein wenig auf Krebs vorbereitet aber der Tod meiner Mutter hat natürlich nichts einfacher gemacht. 2 Tage nach der Beerdigung meiner Mutter fuhr Hendrick mit ihnen zu seinen Eltern, wo sie sich in Ruhe hinsetzen und er ihnen alles erklärte. Danach wollten sie erst mal 24 Stunden nicht mehr mit mir reden – das finde ich durchaus verständlich und gesund: sie benötigten die Zeit, um zu verstehen! Als sie wieder kamen, hatten sie kaum noch Angst – denn sie wussten und verstanden ja auch, dass ich ALLES tue, um so lange wie möglich am Leben zu bleiben. Wie zum Beispiel, auch die 2. Brust abzunehmen!

Als mir mein Port eingesetzt wurde, habe ich einen schönen Weg gefunden, dies den Mädels zu erklären:

Der Port war das „Trojanische Pferd“. Alle 3 Wochen wurden durch das Pferd Soldaten in den Körper geschleust. Daraufhin hatte der Körper immer ganz viel zu tun, um mit den Soldaten gegen den Krebs zu kämpfen – da hatte der Körper auch keine Zeit und Kraft, sich um so etwas unwesentliches, wie Haare zu kümmern. Als die Wimpern nach der letzten Infusion dann wieder kamen, gab es große Freude: der Körper hatte wieder die Kraft, sich um die Haare zu kümmern.

Ich bin ganz massiv der Meinung, dass man mit Kindern immer offen umgehen sollte. Sie sind ein Teil der Familie. Sie werden in ihrem Leben nicht nur gute Zeiten erleben und müssen den Umgang mit nicht so guten Zeiten lernen. Außerdem haben sie eine Nase für Probleme – und wenn man ihnen keine Begründung gibt, beziehen sie es auf sich.

Ein Beispiel: Während der Therapie habe ich Sachen sehr schleppend erledigt: benötigte Tintenkiller ließen dann schon mal eine Woche auf sich warten. Als alles vorbei war, mal wieder Tintenkiller gekauft werden mussten und diese am selben Tag auf dem Tisch lagen, umwallte mich eine Wolke von Dankbarkeit, die ich für die Anschaffung von Stiften noch nie vorher bekommen hatte! Wunderbar!

Ein anderer Fakt ist, dass Kinder keine Berührungsängste mit Krankheiten haben. Eines Tages in der Chemo, war ich auf einem Kindergeburtstag von 5-Jährigen. Da stand plötzlich ein kleiner Bursche vor mir: „Marlene hat gesagt, dass Du keinen Busen mehr hast?“ (Im Hintergrund sah ich schon die Eltern leicht panisch). „Ja,“ antwortete ich, „das stimmt – da war eine Krankheit drin. Ich habe mir die rausschneiden lassen und jetzt lebe ich länger“. „Ach so“, sagte der Junge – ging zu seinen Eltern und erklärte es ihnen. Wahrscheinlich haben die Eltern es dadurch zum ersten Mal verstanden!

Noch eine kleine Geschichte: als mir die Wimpern ausfielen, haben wir den restlichen Wimpern Namen gegeben. Und für jede restliche Wimper hatten wir natürlich einen Wunsch frei!

Sexualität und Brustkrebs

Willkommen zu einem der schwierigsten Themen beim Brustkrebs. Mir geht es wie vielen: meine Sexualität hat sich verändert. Nicht nur die fehlenden Brüste, Narben und Schmerzen zogen dies mit sich, auch die Austrocknung der Schleimhäute durch die Chemo und die Eierstockentnahme (bei anderen durch die Hormonersatztherapie) führt zu einem Libidoverlust, der kaum zu ertragen und für mich noch schwerer zu akzeptieren ist.

Unsere Beziehung – seit Ende 1997 – basierte lange Zeit auf sehr leidenschaftlichen Sex. Und plötzlich reagiert der Körper nicht mehr wie gewohnt – das hat mich sehr lange Zeit zur Verzweiflung getrieben. Die Veränderung von eher leidenschaftlich in eher partnerschaftlich muss sicher jede Beziehung durchmachen – nur hier wurde sie „künstlich herbeigeführt“, so dass mein Kopf, mein Verständnis nicht hinterher kam. Ich habe mich lange nicht getraut, diese Verzweiflung anzusprechen – ich habe gewartet dass mir mein Körper die alte Leidenschaft zurück gibt. Hat er aber nicht. Also musste ich akzeptieren, dass ich mich verändern, die Vergangenheit verabschieden, ein neues Kapitel aufschlagen muss.

Also haben Hendrick und ich uns zusammengesetzt. Ich habe ihm Foren-Beiträge anderer Frauen zu dem Thema vorgelesen und ihm erzählt, wie es mir geht. Ich bin so froh über diesen Schritt. Diese Offenheit erlaubt es uns, ohne Druck uns gegenseitig wieder neu zu entdecken, ob im Sex oder anderen partnerschaftlichen Belangen.

Eine sehr große Veränderung muss ich feststellen: Es war damals eine wunderschöne Zeit – aber Sex hat jetzt nicht mehr die Priorität, die er damals hatte. Der Verlust dieser Zeit tut immer noch weh – aber ich bin jetzt wieder neugierig, was noch kommt!

Ich kann nur immer wieder sagen: Danke, Hendrick!

Hierzu auch Hendricks Artikel bei stern.de

Wut und Aggressionen

Langsam merke ich, dass ich doch noch ganz schön viel Wut in mir trage. Die muss ich irgendwie mal lernen, abzubauen.
Im Moment lass ich das so ziemlich n Hendrick und an meiner anonymen Umwelt aus. Ich reagiere auf der Strasse z.B. sehr aggressiv auf dummes oder fehlerhaftes Verhalten im Strassenverkehr… im Auto und auf dem Bürgersteig. Ich ermahne Leute zur Vorsicht und schimpfe mit ihnen… ich verhalte mich oberlehrerhaft und provokant. Das kann ich selber gar nicht leiden und im nächsten Augenblick erkenne ich, dass ich in einer unnötigen, doofen Situation sitze, die ich mit meiner grossen Klappe heraufbeschworen habe und komme da nicht mehr raus. Es ärgert mich besonders, wenn Leute durch ihr „Fehlverhalten“ ihr oder mein Leben auf’s Spiel setzen – oder es Kindern falsch vormachen und dadurch gefährden.
Ich hab doch das ganze letzte Jahr nicht so sehr gekämpft, um dann ein paar Monate später überfahren zu werden…

Auf jeden Fall kann ich meine Reaktionen echt nicht leiden und entschuldige mich auf diesem Weg bei allen, denen ich in der letzten Zeit einfach mal so auf den Fuß getreten bin… sorry – ich arbeite dran!

Was ist Schönheit?

Da gibt Jenny Elvers-Elvertzhagen ein Interview darüber, wie viel Arbeit in Schönheit steckt. Ihre Antwort: „ca. 1000Euro im Monat und harte Arbeit“. Armes Mädchen!
Ich bin der Meinung, dass es keine Schönheitschirurgen gibt. Höchstens „Körpermodellierer“.
Wahre Schönheit kommt von Innen! Wenn man sich Forscherinterviews in Dokumentationen ansieht, merkt man das am besten: Französische Höhlenforscher, Amerikanische Hobbyastronomen, Deutsche Archäologen…ob dick oder dünn, pickelig oder vernarbt… die Leidenschaft steht Ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie grinsen über alle Backen, lachen und gehen ganz in ihrem Ziel auf. Sie sind schön! Und sie geben sicher nicht mehr als 10 Eur/Monat für Ihre Schönheit aus. Denn sie haben ein Ziel in ihrem Leben.
Ein Ziel für sein Leben kann man sich nicht operieren lassen. Eigene Anerkennung findet man nicht im Spiegel – man findet sie im Inneren! In der Leidenschaft, in der Bildung, In der Neugierde, in der Weiterentwicklung etc.
Arme Jenny!